Männerriege-Bergtour Wildhorn, 20./21. August 2022
Bei strömendem Regen versammelten wir uns nach 8 Uhr auf dem Dorfplatz in Messen, um die alljährliche Bergtour, welche durch Roni, Michael und Philipp wiederum perfekt organisiert wurde, anzutreten.
Via Jegenstorf, Bern und Spiez trafen wir in Zweisimmen ein, wo wir 40 Minuten Zeit hatten, uns in einem Restaurant einen Kaffee servieren zu lassen. Ja gut, wir haben den Wirt mit 17 Teilnehmern gerade etwas überfahren, so dass wir den Service gleich selbst in die Hand nahmen. Mit dem Zug ging es dann weiter nach Gstaad, wo wir ins Postauto umstiegen und zum Lauenensee fuhren. Der Regen hatte mittlerweile aufgehört und es war von der Witterung her sehr angenehm, die Wanderung zu starten. Aber «ohalätz», da gab es überhaupt keine Aufwärmphase. Sogleich ging es mächtig einen Wanderweg resp. einen «Kuhpfad» hoch, so dass sofort alle ins Schwitzen kamen.
Der Lauenensee hat – wie die meisten Seen in der Schweiz aufgrund des sehr trockenen Sommers – Wassermangel, was uns sehr nachdenklich stimmte. Es sei hier erwähnt, dass aufgrund der hohen Anstrengung nicht alle Wanderer den See überhaupt gesehen haben…
Via Chüetungel gelangten wir nach knapp zwei Stunden zum Stieretungel auf 2065 m ü. M., eine wunderschöne Alp, wo vor der Alphütte auch die Schweizerfahne im Wind wehte. Dies deutete darauf hin, dass man hier bestimmt einkehren konnte, was wir dann auch genüsslich taten. Auch konnte man hier sehr feinen Alpkäse probieren und natürlich auch kaufen, was einige auch taten, v.a. diejenigen, welche noch Platz im Rucksack hatten und noch etwas Zusatzgewicht ertragen konnten.
Weiter ging es steil bergauf über den Tungelpass und den Hängstesprung zur Wildhornhütte. Die einen kamen trocken zur Hütte, während andere doch noch verregnet wurden. Die Jasskarten wurden gemischt, das Matrazenlager (ein Lager mit 18 Schlafplätzen) bezogen und man wartete hungrig auf das feine Nachtessen. Der Abend verging wie im Fluge bei Jassen und Diskutieren. Um 22 Uhr war Nachtruhe, da diejenigen, welche am nächsten Tag aufs Wildhorn aufbrechen wollten, bereits um 5 Uhr beim Morgenessen erscheinen sollten.
Um 5.45 Uhr, noch in der Dunkelheit, wanderten 13 «Gebirgsgämsen» bei wunderschönem Bergwetter los. Die vier Zurückgebliebenen (André, Christoph, Oli und Roli) «schnarchten» sich aus und genossen einen schönen Tag in der wunderbaren Umgebung der Wildhornhütte. Auch sie stiegen auf bis zur Tungelgletscherzunge, welche allerdings viel höher oben war als auf der Karte eingezeichnet.
Beim Tungelgletscher angekommen, mussten wir die Steigeisen montieren und bildeten 3er- und 4er-Seilschaften. Nun wanderten wir in gemächlichem Tempo auf dem Tungelgletscher, bis wir zum Übergang auf den Wildhorngletscher kamen. Da sich die Gletscher in rasantem Tempo zurückbilden, mussten wir die Steigeisen wieder demontieren, um über die Geröllhalden und die Felsen über die Krete klettern zu können. Auf der anderen Seite montierten wir die Steigeisen wieder und liefen über den Wildhorngletscher.
Da nicht klar ersichtlich war, wo wir aus dem Gletscher auf den Bergkamm aussteigen sollten, sind wir, wie sich später herausstellen sollte, zu früh abgebogen. Wir liessen Seil und Steigeisen am Rande des Gletschers liegen und kraxelten die erste Bergflanke hoch. Sofort stellten wir fest, dass dieses Gelände für viele von uns eine grosse Herausforderung darstellte und wir kamen fast nicht mehr vom Fleck. Aufgrund der vorgerückten Zeit mussten wir kurz vor dem Wildhorn auf einer Höhe von 3130 m ü. M. einen Halt einlegen und kamen zum Schluss, dass wir auf den letzten Aufstieg, welcher bestimmt nochmals eine Stunde in Anspruch genommen hätte, verzichten wollten. Es fehlten uns ca. 120 Höhenmeter aufs für uns somit «unvollendete» Wildhorn. Trotzdem genossen wir natürlich die wunderbare Aussicht auf die Walliser- und Berner-Bergwelt.
Nach einer gemütlichen Rast starteten wir den Rückweg, welcher wiederum sehr herausfordernd war, da die Wege in dieser Höhe maximal noch durch einige «Steinmannli» gekennzeichnet sind. Wieder hiess es Steigeisen und Seil montieren, in den Seilschaften den Gletscher runter wandern, wieder alles demontieren, über loses Geröll und kleine Felsen klettern, wieder Seil und Steigeisen montieren, den Tungelgletscher runterwandern und dann endgültig die Hilfsmittel im Rucksack verstauen. Es stimmte uns sehr nachdenklich, dass bereits morgens früh beim Aufstieg über den Gletscher aufgrund der warmen Temperaturen kleine Bächlein über den Gletscher flossen und am Mittag bei der Rückkehr vom Gipfel waren dies bereits kleine reissende Bäche. Wie lange wird dort oben noch ein Gletscher anzutreffen sein?
In zügigem Tempo ging es dann wieder zurück zur Wildhornhütte, wo wir nur noch ganz kurz Zeit hatten, unseren Durst und den kleinen Hunger zu stillen. Die vier anderen Kollegen haben bemerkt, dass wir zeitlich wohl sehr knapp zur Hütte kämen, und haben deshalb den Abstieg zur Iffigenalp bereits vor uns in Angriff genommen.
So machten wir uns dann ebenfalls gestärkt auf den Rückweg nach Iffigenalp. Vorbei am wunderschönen Iffigsee und an der Alp Gräppi. Pünktlich um 15 Uhr, nach einer reinen Wanderzeit von 9 Stunden (!), erreichten die Letzten die Iffigenalp, wo wir das viel zu kleine Postauto bestiegen, welches uns mit massiver Überladung zum Bahnhof Lenk brachte. Via Zweisimmen, Spiez, Bern und Jegenstorf kamen wir kurz nach 18 Uhr müde, aber mit vielen wunderschönen Eindrücken nach Messen zurück. Schade, dass wir es nicht ganz aufs Wildhorn geschafft haben. Sicherheit geht aber vor und wir danken unseren Bergführern herzlich, dass wir es wieder mal auf den Gletscher geschafft haben. Wer weiss, wie lange wir dies noch erleben dürfen, v.a. wenn die nächsten Sommer auch wieder so heiss werden sollten.
Ein grosser Dank geht somit an Roni, Michael und Philipp, welche eine wunderschöne Bergtour bei tollem Wetter organisiert haben.
Richard Enzler